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16.11.2009
ARCHIV: ER HAT SOGAR EIN LIEBLINGSSCHWERT
 

Bekenntnisse eines Henkers

Saudischer Scharfrichter plaudert im TV-Interview über seinen Job

MEKKA

Er hat schon hunderte Menschen und sogar Freunde ins Jenseits befördert. Als staatlich angestellter Henker sind für Abdallah Bin Sa'id Al-Bishi Enthauptungen Alltag. Der saudische Scharfrichter tut es hingebungsvoll und plaudert im Fernsehen ganz begeistert über seinen blutrünstigen Job, den er von seinem Vater "geerbt" hat.

"Es gibt keine Diskussion mit ihm, wenn die Köpfe reif sind. Ist die Erntezeit da, ist er der geeignetste für den Job", leitet ein TV-Sprecher das Interview mit dem Henker von Mekka ein. Und der staatlich ernannte Schlächter Al-Bishi hat seit 18 Jahren Erntezeit - er enthauptet, schlägt nach der Scharia Verurteilten Hände oder andere Körperteile ab. "Würde ich Mitleid mit der Person empfinden, die ich exekutiere, würde sie leiden. Wenn das Herz weint, zittert die Hand", plaudert Al-Bishi im Interview mit dem libanesischen Sender "LBC" über seinen Job, als ginge es um Brötchenbacken. Das Gespräch von 2006 kursiert jetzt im Internet, wurde schon millionenfach angeklickt.

Al-Bishis Hand zittert offenbar nie. Auch nicht, wenn es viel zu tun gibt: "Ich brauch' keine Pause, wenn ich mehrere Leute hintereinander köpfen muss. Drei, vier, fünf oder sechs - da ist nichts dabei."

Und selbst Bekannten schlug Al-Bishi den Kopf ab, ohne mit der Wimper zu zucken: "Ich habe viele Leute enthauptet, die meine Freunde waren. Aber wer immer ein Verbrechen begeht, ist selber schuld."

Mann oder Frau, Art des Todeshiebs - jede Aufgabe erfordert das geeignete Schwert, fachsimpelt der Henker. Sein Lieblings-Schwert heißt "Sultan". "Es war mein erstes." Mit "Sultan" schlug er bei seiner Henker-Premiere drei Männern den Kopf ab. Das war 1991, und Al-Bishi trat mit den Hieben in die Fußstapfen seines Vaters als Berufshenker. Der hatte Abdallah schon als kleinen Jungen mitgenommen zum Schafott. "Beim ersten Mal war alles, was ich sah, der wegfliegende Kopf des Mannes. Und dort, wo vorher sein Hals war, war eine Art Brunnen. Mein Vater ging runter. Das war's!", so Al-Bishi. "In der Nacht konnte ich nicht schlafen, hatte Albträume. Aber nur dies eine Mal. Dann gewöhnte ich mich daran."

Genauso wird es wohl auch Al-Bishis eigenem Sohn eines Tages ergehen. Denn sein Ältester, Badr, ist bereits als Nachfolger bestimmt. "Allah sei gepriesen, Badr wird bald auf die Stelle in Riad berufen", freut sich der Henker. Die blutrünstige Tradition kann weitergehen.

Ressort: PANORAMA


 

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