SIMONE PAULS
Seit Monaten sucht eine Findungskommission einen neuen Präsidenten für die Universität Hamburg. Studenten kritisieren das Verfahren als intransparent, außerdem wollen sie den einzigen Kandidaten für das Amt verhindern. Gestern Nachmittag nun der Showdown:
Die zuständigen Gremien wollten Dieter Lenzen, den Präsidenten der FU Berlin, zum neuen Chef in Hamburg wählen - und Studenten hatten angekündigt, das zu verhindern.
Mehr als 1000 junge Leute versammelten sich - die Sitzung des Akademischen Senats musste ins Audimax verlegt werden. 30 Studenten hatten sich als Trauergesellschaft kostümiert, sie trugen Kerzen und Rosen. Eine junge Frau spielte dazu Geige. Andere Studenten hielten Schilder hoch mit Aufschriften wie: "Wo bleiben Mitbestimmung, Demokratie und Transparenz?"
Albrecht Wagner, Vorsitzender des für die Präsidentenwahl zuständigen Hochschulrats, musste sich Pfiffe gefallen lassen, als er das Wahlverfahren für legitim erklärte. Und erstmals bestätigte er, dass es nur einen Kandidaten für das Amt gibt, weil zwei andere abgesprungen waren.
Zur öffentlichen Anhörung des als wirtschaftsnah und autoritär geltenden Dieter Lenzen kam es nicht - der Akademische Senat brach die Sitzung ab. Anschließend war im Mineralogischen Museum (Martin-Luther-King-Platz) seine Vorstellung mit anschließender Wahl durch den Hochschulrat und anschließender Bestätigung durch den Akademischen Senat geplant.
Doch dazu kam es nicht - wütende Studenten blockierten das Gebäude, sodass Mitglieder der Gremien nicht zur Sitzung gelangen konnten. Die Studenten waren aufgebracht, weil man ihnen nicht gesagt hatte, dass die Sitzung woanders weitergehen würde. Weil die Gremien wegen der Blockade nicht vollständig waren, fiel die Wahl vorerst aus. Nun muss ein neuer Termin für die Präsidentenkür gefunden werden.
Zitat:
"Wo bleiben Mitbestimmung und Transparenz?"
Aufschrift eines Protest-Plakats
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