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20.11.2009
ARCHIV: Depressionen
 

St. Pauli-Profi Andreas Biermann: "Ich wollte mich vor vier Wochen umbringen"

Seit dem 13. November ist der Abwehrspieler auf Anraten seiner Familie und des Vereins in stationärer Behandlung.

Die Trauer um Robert Enke ist noch allgegenwärtig - nun gibt es eine Schock-Nachricht aus Hamburg: Andreas Biermann vom FC St. Pauli leidet an Depressionen und wollte sich vor vier Wochen das Leben nehmen. Das teilte der Abwehrspieler am Freitag in einer Presseerklärung mit. Er wolle mit diesem öffentlichen Bekenntnis beitragen, dass diese Erkrankung keine Tabuthema mehr sei.

„Ich, Andreas Biermann, 29 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern, bin Profi-Fußballspieler beim FC St. Pauli und leide seit mehreren Jahren an Depressionen. Ich versuchte, mir am 20. Oktober 2009 das Leben zu nehmen“, berichtete Biermann, der im Januar 2008 von TeBe Berlin zum Kiezklub gewechselt ist. Seinen bislang einzigen Saisoneinsatz in der 2. Liga hatte er am 16. Oktober in Oberhausen.

„Zeitweilig habe ich versucht, im Pokerspiel jenes Glück zu finden, das mir im Profisport aufgrund meines großen Verletzungspechs immer wieder versagt geblieben ist. Dieses Ventil hätte mich fast in eine Spielabhängigkeit getrieben, die meine eigentliche Erkrankung zusätzlich noch negativ beeinflusst hätte. Dies ist zum Glück nicht geschehen“, heißt es in der Erklärung. Seit dem 13. November ist Biermann auf Anraten seiner Familie und des FC St. Pauli in stationärer Behandlung.

„Meine Familie und ich möchten dies der Öffentlichkeit mitteilen, um anderen Betroffenen eventuell den Mut zu geben, sich ebenfalls zu öffnen bzw. helfen zu lassen“, sagte Biermann. „Zudem möchten wir uns selbst ein Lügen- und Versteckspiel nach meiner Genesung ersparen. Wir möchten offen damit umgehen, um dazu beizutragen, dass diese Erkrankung kein Tabuthema mehr ist.“ Seit dem Suizid von Nationaltorwart Robert Enke am 10. November wird im Fußball über Depressionen diskutiert. Der Profi von Hannover 96 hatte mehrere Jahre unter der Krankheit gelitten.

Der FC St. Pauli schrieb in der Erklärung: "Der FC St.Pauli unterstützt Andreas Biermann in seiner Entscheidung für den Gang in die Öffentlichkeit. Der gesamte Verein wird im Rahmen seiner Möglichkeiten ihm und seiner Familie jegliche Unterstützung zukommen lassen.

Wir, als Verein und Arbeitgeber, werten es als außerordentlich positiv, dass Andreas Biermann die Entscheidung getroffen hat, sich in stationäre Behandlung zu begeben.

Während dieser Zeit des Klinikaufenthalts stehen einzelne Personen aus Familie, Freundeskreis und der Trainer in Kontakt zu ihm.

Alle Konzentration gilt dem Heilungsprozess von Andreas Biermann und der Unterstützung seiner Familie."

(dpa/la)

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