STEFAN KRAUSE
Verdächtige Kroaten waren schon 2005 die Drahtzieher / Auch der HSV wurde betrogen
Die Dreistigkeit ist erschreckend, die kriminelle Energie unfassbar: Bereits vor gut vier Jahren waren die Brüder Ante und Milan Sapina in den bisher größten Wettskandal des deutschen Fußballs um den Referee Robert Hoyzer verwickelt. Sie wurden erwischt, rechtskräftig verurteilt - und mischten jetzt offenbar wieder munter mit. Die Kroaten zählen angeblich zu den Verhafteten im Zuge des neuen europaweiten Manipulationsskandals im Fußball.
Rückblende. Im bisher größten Wettskandal in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ging es 2005 um 23 Spiele im DFB-Pokal, der 2. Bundesliga und in den Regionalligen. Sie waren so manipuliert worden oder sollten so beeinflusst werden, dass die Brüder Ante, Milan und Filip Sapina Hunderttausende Euro verdienten. Schiedsrichter Robert Hoyzer selbst war einer ihrer mäßig bezahlten Handlanger. Auch der HSV - von Hoyzer gnadenlos verpfiffen - war beim 2:4 in Paderborn betroffen.
Hoyzer und Drahtzieher Ante Sapina erhielten Haftstrafen, die anderen Beteiligten kamen mit Bewährungsstrafen davon. Treffpunkt der Betrüger war meist das "Café King" in Berlin.
Der Fall Hoyzer ist noch in bester Erinnerung, allerdings nicht der einzige seiner Art, der in der Geschichte weltweit für Aufsehen sorgte. In der Saison 1970/71 waren 18 Spiele manipuliert worden, mit Hertha, Bielefeld, Frankfurt, Offenbach, Oberhausen, Duisburg, Stuttgart, Schalke, Braunschweig und Köln zehn Bundesliga-Vereine in den Skandal verstrickt. Nach mühevoller Kleinarbeit der Gerichte und des DFB-Chefanklägers Hans Kindermann wurden 50 Spieler mit teilweise harten Strafen belegt, sechs Funktionäre und zwei Trainer gesperrt. Arminia Bielefeld wurde 1972 die Bundesligalizenz entzogen und in die Regionalliga zurückgesetzt, den Offenbacher Kickers die Lizenz für zwei Jahre entzogen.
Aber auch im Ausland gab es schwere Betrugsfälle. Juventus Turin beispielsweise sorgte 2006 für einen der größten Skandale in der Geschichte des italienischen Fußballs. 29 von 38 Meisterschaftsspielen soll Juve-Manager Luciano Moggi mit Hilfe von korrupten Schiedsrichtern, Spielern und Funktionären in der Saison 2004/2005 manipuliert haben. Und 2005 wurde in Brasilien ein umfangreicher Wettskandal um diverse bestochene Schiedsrichter aufgedeckt.
Ressort: THEMA DES TAGES
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