Der VfB Stuttgart hat Teamchef Markus Babbel entlassen. Nachfolger wird der Schweizer Christian Gross.
Das Ende der rund einjährigen Ära Babbel gaben die Schwaben am frühen Sonntagabend bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz und damit nur knapp 25 Stunden nach dem bitteren 1:1 gegen den VfL Bochum bekannt. Die Partie war von wütenden Fan-Protesten begleitet worden.
„Wir haben alles dafür getan, dass es dem VfB gut geht. Aber es geht jetzt nicht um Einzelschicksale, sondern um den VfB“, sagte Babbel am Sonntagabend.
Knapp eine Stunde nach der Trennung von Babbel stellte der Bundesligist den Schweizer Christian Gross als neuen Übungsleiter vor. Gross war zuletzt beim FC Basel engagiert gewesen war. Er wird seine erste Bewährungsprobe gleich am kommenden Mittwoch bestehen müssen, wenn der Tabellen-16. der Fußball-Bundesliga in der Champions League gegen Unirea Urziceni ums Weiterkommen kämpft.
Babbel hatte die Schwaben erst am 23. November 2008 als Nachfolger von Armin Veh übernommen. In der vergangenen Saison führte er sie noch von Rang elf in die Champions League. In den letzten Monaten konnte er den Absturz auf den 16. Platz jedoch nicht stoppen. Neben Babbel trennte sich der Verein auch von seinen beiden Co-Trainern Rainer Widmayer und Alexander Zorniger. Die Krise des VfB erreichte somit am Wochenende eine neue Dimension.
Bis zu 3000 Anhänger hatten nach dem Bochum-Spiel das Verwaltungsgebäude des Vereins am Stadioneingang belagert. Nach Angaben der Polizei versuchten sogar mehrere hundert, das Vereinsheim zu stürmen. Sie schrien „Scheiß Millionäre“ und „Wir haben die Schnauze voll“, einige zündeten Knallkörper. Insgesamt wurden zwei Beamte verletzt und drei Fans festgenommen, die Polizei setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein.
Bereits vor dem Anpfiff hatten etwa 100 Anhänger versucht, den Mannschaftsbus an der Einfahrt ins Stadion zu hindern. Auch hier musste die Polizei eingreifen. Während der 90 Minuten wurden die Spieler immer wieder ausgepfiffen.
Das Spiel gegen Bochum machte das Dilemma der Stuttgarter deutlich. Die Zusammenarbeit zwischen Babbel und seiner Mannschaft war am Ende zu verfahren. Der Teamchef zeigte sich in den vergangenen Wochen stets entschlossen und selbstbewusst. Er hat davon nur kaum etwas auf seine Spieler übertragen können. Abgesehen vom Beginn der zweiten Halbzeit, als Serdar Tasci das 1:0 erzielte (63.), bot der VfB in dieser so wichtigen Partie eine mut- und leidenschaftslose Vorstellung. Ein Auflehnen gegen die Krise war nicht zu sehen. Babbels Einschätzung, dass „auch der Letzte weiß, worum es geht“, erwies sich als Phrase. Thomas Hitzlsperger als Kapitän abzusetzen und das Training zu verschärfen, blieben zwei Maßnahmen ohne Wirkung.
Der Teamchef hatte sich selbst am Samstag noch vor sein Team gestellt. Die Stimmung im Stadion habe zur Verunsicherung beigetragen, meinte er. Gleichzeitig fiel aber erneut ein Beispiel dafür auf, dass einige VfB-Profis ihr eigenes Interesse häufig über das des Vereins stellen. Tasci erklärte nach dem Spiel, verärgert darüber zu sein, dass nicht er, sondern Matthieu Delpierre zum neuen Kapitän ernannt wurde. Roberto Hilbert hatte nach einer Auswechselung schon einmal seine Schienbeinschoner vor die Trainerbank gepfeffert.
Babbel schritt dagegen nie ein. Dass er außerdem keine Stammelf fand und ständig das taktische System wechselte, schwächte seine Autorität zusätzlich. Auch am Samstag machte der VfB den Eindruck, als wisse er nicht, wie er sich gegen defensiv eingestellte Bochumer zu verhalten habe.
Die Gäste kamen nach einer Roten Karte für Diego Klimowicz (81.) selbst in Unterzahl zum 1:1 durch Christian Fuchs (89.). Und als wäre das alles nicht schon bitter genug, verletzten sich beim VfB auch noch Zdravko Kuzmanovic und Hitzlsperger (Verdacht auf Muskelfaserriss). Die Stimmung und die Aussichten sind nicht gut vor dem „Endspiel“ in der Champions League gegen Urziceni. (dpa)
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