SVEN TöLLNER UND SIMON BRAASCH
Der HSV ist im Verfolgerduell gegen Hoffenheim nicht über ein 0:0 hinausgekommen und droht den Anschluss an die Spitzengruppe zu verlieren.
Das Gezeter blieb diesmal aus. Es gab nicht viel zu beanstanden nach den 90 Minuten, kein reguläres Tor wurde aberkannt, auch kein Vorsprung leichtfertig verspielt.
„In den letzten Wochen dachten wir oft: Mist, wir hätten gewinnen müssen“, bilanzierte Marcell Jansen das 0:0 gegen Hoffenheim. "Diesmal aber war das absolut in Ordnung." Ein Remis, mit dem sie beim HSV leben können. Unterm Strich aber bleibt eine eher ernüchternde Erkenntnis – der HSV tritt auf der Stelle.
Sieben Mal in Folge haben die Hamburger nun schon nicht gewonnen. Seit zwei Monaten (!) sind sie in der Bundesliga sieglos. Und statt von der Tabellenspitze zu grüßen, was allemal möglich war, trennen den Bundesliga-Dino ganze zwei Zähler von Rang neun. Eine gefährliche Situation. "Wenn man unsere Ansprüche sieht, dann sind sieben Spiele ohne Sieg einfach zuviel", resümierte Jerome Boateng.
Sie hätten die Serie beenden können. 52 725 Fans sahen einen zunächst richtig guten, taktisch hervorragend eingestellten HSV. "Die ersten 35 Minuten waren absolut top", lobte Trainer Bruno Labbadia. „Schade, dass sich die Mannschaft für die erste Hälfte nicht belohnt hat."
Boateng machte per Kopf den Anfang (8.), Jarolim legte sich den Ball einen Tick zu weit vor (12.), Trochowski prüfte Hildebrand aus der Distanz (14./23.) und Jansen scheiterte aus spitzem Winkel (29.). Möglichkeiten waren da, der HSV hätte nur etwas entschlossener zupacken müssen.
Nach dem Wechsel aber folgte der Bruch. "Einen Substanzverlust" machte Labbadia aus, "man hat gespürt, dass meinen Spielern dann die Kräfte fehlten". Aogos Schuss aufs kurze Eck (58.) und Mathijsens Kopfball Sekunden später bildeten die letzten Gelegenheiten. Letztlich hätten die Gäste, denen sich durch Salihovic (65./78.) hervorragende Einschusschancen boten, gar noch die dritte Heimpleite in Folge besiegeln können.
Abhaken. Zackig wie selten ging der Blick voraus. "In Nürnberg und gegen Bremen sind bis zur Winterpause noch sechs Zähler möglich", rechnete Joris Mathijsen vor. "Wenn wir die holen, sind wir sicher ganz vorn dabei." Auch Labbadia richtet den Blick "auf das Optimum, das wir bis zur Pause noch erreichen wollen".
Der Trainer hielt noch nie sonderlich viel davon, im Zorn zurückzublicken. Einen klitzekleinen Blick auf die Vergangenheit konnte er sich diesmal dann aber doch nicht verkneifen. "Wir hätten ja nur zwei der letzten Spiele gewinnen müssen", so Labbadia, "dann wären wir jetzt ganz vorn. Da sieht man, welch sensationelle Ausgangsposition wir hatten." Doch der Wintervorrat ist längst aufgebraucht und verdaut. Der HSV muss zügig damit beginnen, sich ein neues Polster anzufressen. Sonst wird’s bald kalt um die Hüften herum.
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