SIMON BRAASCH
Wissen Sie noch, was Sie am 4. Oktober dieses Jahres gemacht haben? Vielleicht saßen Sie ja vor dem Fernseher. Und sahen die schrägen Distanzschüsse von David Jarolim und Zé Roberto, die im verwaisten Gehäuse von Hertha BSC einschlugen. Sie freuten sich womöglich über den besten HSV-Saisonstart aller Zeiten, der durch das 3:1 in Berlin manifestiert wurde. Und vor allem: Sie sahen den HSV siegen! Lang, lang ist's her.
Die Erinnerungen an den 4. Oktober verblassen allmählich. Und damit auch die Brillanz, mit der der HSV bis zu diesem Tag durch die Bundesliga fegte. Zwei Monate später, nach dem 0:0 gegen 1899 Hoffenheim, liest sich die Zwischenbilanz weitaus nüchterner. Satte sieben Spiele lang ist der HSV nun schon sieglos. Neun Wochen, die die Voraussetzungen verändert haben. Vom Titelaspiranten zum Wackelkandidaten. Statt Vorreiter Verfolger. Der HSV ist mittendrin - aber nicht mehr ganz vorn dabei. Und nur noch drei Punkte beträgt der Abstand zu Rang zehn.
Fakten, die sogar die nicht mal enttäuschende Nullnummer vom Sonnabend zu einer kleinen Niederlage machen. Bruno Labbadia aber nimmt die Situation mit der ihm eigenen Gelassenheit hin. "Die Spiele, die wir in den Wochen zuvor nicht gewonnen haben, waren ärgerlicher", sagt der Trainer. Und überhaupt: Das enorme Verletzungspech sei kein Grund zu jammern. Hinweisen aber müsse man doch mal darauf. "Es ist ganz normal, dass gerade im Torabschluss etwas fehlt. So viel Potenzial, wie wir ersetzen müssen - das schaffen nicht viele."
Tatsächlich steht der HSV - gemessen an seinem Pech mit Fehlentscheidungen, überflüssigen Last-Minute-Toren und Personalproblemen - noch immer verhältnismäßig gut da. "Da sieht man, welch sensationelle Ausgangsposition wir hatten", schwärmt Labbadia mit süß-saurem Unterton.
Unterm Strich aber bleiben sieben Spiele ohne Sieg. "Das ist, gemessen an unseren Ansprüchen, einfach viel zu viel", weiß Jerome Boateng. "Wir müssen das jetzt schleunigst ändern", ergänzt Joris Mathijsen. In Nürnberg und gegen Bremen. Holt der HSV die anvisierten sechs Punkte, ist er schon zur Winterpause wieder dabei - und nicht bloß mittendrin.
Info:
HSV-SPIELFILM
8. Minute Nach Aogos Ecke steht Boateng völlig frei, köpft aber weit drüber.
12. Berg mit feinem Pass auf Jarolim, doch der Käpt'n kann den Ball nicht entscheidend kontrollieren. Hildebrand stürzt aus seinem Kasten, die Chance ist dahin.
14. Trochowski zieht aus 18 Metern per Dropkick ab, doch Hildebrand lenkt die Kugel zur Ecke.
23. Wieder Trochowski, diesmal per Freistoß. Hildebrand pariert den scharfen Flatterball.
29. Jansen versucht's von links aus spitzem Winkel - wieder ist Hildebrand zur Stelle.
42. Hoffenheims erster nennenswerter Angriff. Obasi legt mit der Hacke auf Weis ab, der marschiert rechts durch und passt in die Mitte auf Ba - doch das Zuspiel ist zu steil, der Senegalese kommt vor dem Tor einen Schritt zu spät.
53. Mathijsen zwingt nach einem riskanten Rückpass Rost zu einem Sprint. Der Keeper klärt in höchster Not vor Ba.
58. Aogos verunglückte Flanke fliegt gefährlich flach aufs kurze Eck. Hildebrand klärt mit Mühe zur Ecke.
58. Die Szene direkt im Anschluss Aogos Eckstoß köpft Mathijsen aus sieben Metern rechts neben das Tor.
65. Nach einem Fehler von Jarolim kontert Hoffenheim gefährlich. Salihovic kommt in der Mitte frei zum Schuss, Rost reagiert prächtig, hält den Ball fest.
78. Wieder ist Salihovic frei, diesmal über links kommend. Doch der Bosnier hämmert die Kugel ans Außennetz.
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