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09.12.2009
ARCHIV: Hagenbeck
 

Nach Tiger-Attacke: Dompteur Hand amputiert

Dramatische Szenen bei Hagenbeck: Während einer Raubkatzen-Vorführung haben drei Tiger den Dompteur Christian Walliser angegriffen. Der 28-Jährige wurde lebensgefährlich verletzt. Ihm musste die linke Hand amputiert werden.

"Pagels Dinner Zirkus" in der Alten Dressurhalle am Gazellenkamp (Stellingen), gestern Abend um 19.30 Uhr: Die etwa 100 Gäste genießen ihr Vier-Gänge-Menü. "Filet vom Zander auf Ratatouille" und "Cremesuppe von Zuckerschoten" stehen heute auf der Karte. Gastgeber ist Stefan Pagels.

Zwischen dem 19. November und Silvester veranstaltet er in der Halle seinen "Dinner Zirkus".

Zu dem Programm (Tickets zwischen 79 und 210 Euro) gehören Auftritte con Clowns, Jongleuren und Akrobaten. Highlight des Abends sind aber Christian Walliser und seine fünf bengalischen Tiger.

Doch während der Aufführung passiert Christian Walliser. ein fataler Fehler: Er kommt ins Straucheln. Der junge Dompteur stolpert, fällt auf den Boden. Drei der Tiger stürzen sich sofort auf ihn. Sie kratzen und beißen. Bei den Zuschauern bricht Panik aus. Der 28-Jährige hat keine Chance, sich gegen die riesigen Raubkatzen zu wehren. Erst als Wallisers Kollegen die Tiere mit Feuerlöschern besprühen, lassen sie von ihrem Opfer ab und flüchten in ihre Käfige.

Christian Walliser wird lebensgefährlich verletzt. Er erleidet ein offenes Schädel-Hirn-Trauma und schwere Verletzungen am Brustkorb. Die Tiger haben ihm sogar einen Teil seiner Hand abgebissen. Walliser wird ins UKE gefahren. Bei einer Notoperation muss ihm die linke Hand amputiert werden. Sein Zustand gilt als kritisch. Drei Zuschauer, offenbar Bekannte des Opfers, erleiden Schocks und müssen behandelt werden.

Christian Walliser hat zwei der Tiger selbst mit der Flasche aufgezogen, die drei anderen hat er dazugekauft. Ob sie es waren, die den 28-Jährigen angegriffen haben, ist noch unklar. Auf der Internetseite des “Dinner Zirkus" wird der 28-Jährige als "der neue Stern am Tierlehrer-Himmel" angekündigt. Weiter heißt es: "Erleben Sie die sanfte Tierausbildung und ihre tiergerechten Methoden hautnah."

Der Direktor der „Dinner-Zirkus“-Show, Stefan Pagels, erklärte in der Nacht: „Der Vorfall ist kein böswilliger Angriff gewesen. Ein Unfall ist bei besonderen Spitzenleistungen - mit Tieren, am Trapez oder auf dem Hochseil - eben leider immer möglich.“ Die Tiere hätten mit dem Dompteur „spielen“ wollen. „Leider ist die dünne Haut des Menschen solchen spielerischen Attacken nicht so gut gewachsen, wie es die dickere, lockere und fellgeschützte Haut eines anderen Tigers gewesen wäre“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Noch in der Nacht habe das Ensemble entschieden, die weiteren Vorstellungen nach dem uralten Zirkusmotto „The show must go on“ („Die Show muss weitergehen“) wie geplant abzuhalten - allerdings ohne Tiger.

Hagenbeck will heute auf einer Pressekonferenz erklären, wie es zu der Tragödie im "Dinner Zirkus" kommen konnte.
(ms/ruega/ddp)

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