Donnerstag, 18.03.2010

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10.12.2009
ARCHIV: RENTNER IST VERZWEIFELT
 

"Diebe plündern Grab meiner Mutter"

ERIK TRÜMPLER

Hamburgs Diebe machen nicht einmal mehr vor Gräbern halt. Pflanzen, Engel und Gestecke verschwinden teilweise nach nur wenigen Stunden von den gepflegten Flächen.

Ein Schock für alle, die sich liebevoll um die letzte Ruhestätte ihrer Liebsten kümmern - wie Hans-Peter Bronisz. Satte fünf Mal wurde er Opfer eines Diebstahls.

Bronisz fährt seit drei Jahren zwei Mal in der Woche zum Grab seiner Mutter auf den Bramfelder Friedhof. Eine süße Hecke ziert die Fläche um den Grabstein. Das Grab schmücken Gestecke, Blumen und Kerzen. Man merkt: Die Grabpflege ist dem 66-Jährigen extrem wichtig.

Umso bitterer die Diebstahlserie. "Ich war immer freitags bei meiner Mutter, habe Blumen ans Grab gelegt. Wenn ich Sonntag nach der Kirche wieder hingegangen bin, waren sie weg." Ein Mal habe man ihm gar eine Pflanze ausgegraben und einen Engel geklaut. Nach dem fünften Diebstahl platzte dem Rentner der Kragen. Er erstattete Anzeige bei der Polizei. "Es geht mir hier nicht um die paar Euro für die Blumen. Es geht um die Verstorbenen und um unsere Gefühle", sagt er.

Mit jedem Blumenklau wuchsen die Sorgen. "Ich hatte den Eindruck, dass es jemand auf mich abgesehen hat", sagt Bronisz.

Lutz Rehkopf, Sprecher der Hamburger Friedhöfe, bestätigt: "Wenn in Serie Sachen geklaut werden, besteht der Verdacht, dass das gezielt geschehen ist, um den Mann direkt zu treffen." Nach Gesprächen mit anderen Bramfeldern auf dem Friedhof verwarf Bronisz diesen Gedanken eines fiesen Feindes. "Auch anderen wurden Blumen geklaut. Nicht nur auf diesem Friedhof."

Bronisz legt einen Strauß Rosen auf die Grabstelle. Er fühlt sich noch immer hilflos: "Man kann sich ja nicht 24 Stunden auf die Lauer legen." Seine Lösung: Gestecke bindet er inzwischen mit Draht am Grabstein fest. Dazu kommt seine Hoffnung, dass der Winter den Dieben die Lust auf Blumen und Gestecke verhagelt.

Info:
So schützen Sie sich

So können Sie sich vor dem Blumenklau auf dem Friedhof schützen

1. Zum Friedhofsgärtner gehen und ihn darauf hinweisen, dass man neue Blumen hingelegt hat.

2. Kontakt zum Umfeld aufnehmen. Leute, die Nachbargräber pflegen, bitten mit aufzupassen.

3. Gräber pflegen. Von sehr gepflegten Gräbern wird seltener etwas geklaut. Ungepflegte Gräber sehen weniger privat aus.

4. Keine Schilder aufstellen, auf denen steht Blumen klauen verboten. Dort wird erst recht zugegriffen.

5. Auch andere Menschen auffordern, öfter zu den Gräbern ihrer Liebsten zu kommen. Je mehr Leute auf dem Friedhof sind, desto schwerer haben es Diebe.

Zitat:
"Es geht um die Verstorbenen und unsere Gefühle" Hans-Peter Bronisz


 

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