EVA JOST
Rammstein in der ausverkauften Color Line Arena
Ein Höllenspektakel aus Flammen, Schweiß und brachialen Klängen sind die Konzerte von Rammstein. Und ein Höllenspektakel, wonach sich Tausende zu sehnen scheinen: Die aktuelle Europatour der deutschen Rockband war jedenfalls in Windeseile ausverkauft - auch für den Auftritt gestern Abend (hatte bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht begonnen) in der Color Line Arena gab es bereits seit Wochen keine Karten mehr.
Womöglich lockte die Fans auch die Lust am Skandal, denn die aktuelle Platte der Brachial-Band, "Liebe ist für alle da", wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) auf den Index gesetzt, darf seitdem nicht mehr beworben werden und nur noch unter der Ladentheke und an Personen über 18 Jahren verkauft werden. Der Grund: der Song "Ich tu dir weh", in dem die Band laut BPjM jugendgefährdende Darstellungen von Sado-Maso-Praktiken verbreite und zu ungeschütztem Sex animiere. Die Rammstein-Musiker um Frontmann Till Lindemann zeigten sich "bestürzt" über den Bann - den Verkaufszahlen der Platte schadete der Skandal natürlich nicht im Geringsten, ob er nun einkalkuliert war oder nicht.
Auf Tour blieben die Flammenengel aber bislang recht brav: Ob in München, Frankfurt, Köln oder Münster: Den Index-Song gibt es live nur in veränderter Form zu hören, ansonsten heizen die sechs Feuerteufel aus Berlin ihren Fans mit einer bombastischen Flammenshow ein: Stichflammen und ganze Feuerwände und ein Stuntman, der als "brennende Fackel" über die Bühne sprintet. Dazu Teutonenrock mit Jagdhorn-Samples und bitterbösen Texten über Mord, Vergewaltigung und das Böse in Gestalt von Josef Fritzl.
Das kommt nicht nur in Deutschland an, sondern auch in Russland, Japan und Neuseeland, zumal Lindemann und Kollegen die bösen Buben ja nur spielen: Sie mögen zwar in Sadomaso-Leder und blutige Metzgers-Schürze gewandet sein und sich brennende Engelsflügel umgeschnallt haben, aber in den neuen Songs haben sie Bert- Brecht- und Edith-Piaf-Zitate versteckt - und die passen erstaunlich gut zur angeblich so jugendgefährdenden Rammstein-Lyrik. (ej)
Info:
Darum sehen Sie hier kein Konzert-Foto
Normalerweise konkurrieren Hamburgs Konzertfotografen um das beste Band-Bild - bei Rammstein aber blieb der Foto-Graben vor der Bühne leer. Der Grund die Knebelverträge, die das Band-Management den Fotografen vorlegte. Diese räumen u.a. Rammstein das Recht ein, Fotos "inhaltlich, örtlich und zeitlich unbeschränkt" und "ohne gesonderte Vergütung" verwenden zu dürfen. Die freien Fotografen selbst wiederum dürfen ihre Fotos nicht beliebig veräußern, sondern nur an eine vorher festgelegte Zeitung. Unter diesen Bedingungen verzichtet die MOPO auf ein Rammstein-Foto.
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