Samstag, 13.03.2010

| | Impressum | Kontakt | Hilfe




16.12.2009
ARCHIV: KEINE STRAFE - WEIL SEIN ANWALT IHN FALSCH BERIET
 

Der seltsame Freispruch für den Box-Promoter

STEPHANIE LAMPRECHT

Vor Gericht: Arena-Boss Ahmet Öner (37) wurde ohne Führerschein am Steuer erwischt - ohne Folgen!

Wer ohne Führerschein am Steuer erwischt wird, wird bestraft. Nicht so Boxpromoter und Bentley-Besitzer Ahmet Öner (38): Der bullige Chef des Boxstalls "Arena" wurde gestern vom Amtsgericht Altona freigesprochen. Grund: Sein Anwalt hatte dem bekennenden Schnellfahrer gesagt, dass er trotz Führerscheinsentzugs "erst einmal" weiterfahren dürfe. Falsch beraten, Glück gehabt. Vorerst. Denn die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen 16 weiterer Straftaten gegen Deutschlands schillerndsten Box-Promoter.

Im Juli 2008 hatte Öner Post von der Polizei bekommen: Wegen Rasens sollte er seinen Führerschein für 18 Monate abgeben. Der Boxer fragt seinen Anwalt: "Muss ich wirklich?" Der Anwalt, Partner in einer großen Hamburger Anwaltskanzlei, rät seinem Mandanten und Duz-Freund: "Solange du den Führerschein noch nicht abgegeben hast, darfst du erst einmal weiterfahren. Wir prüfen inzwischen die Rechtsmittel."

Der Richter schüttelt ungläubig den Kopf: "Das liegt doch auf der Hand, dass das nicht richtig war. Das lernt ein Jurist im dritten Semester!" Skurrile Antwort des Anwalts: "Wenn Sie mit Leuten aus der Boxszene zu tun haben, dann müssen Sie klare Aussagen treffen. Wenn Sie denen sagen: ,Das kommt darauf an', dann gucken die komisch."

Ahmet Öner gab nach der Falschberatung munter Gas, wurde im August 2008 auf der A24 geblitzt und im Oktober 2008 auf der Max-Brauer-Allee. Danach gab er seinen Lappen endlich ab.

Der Staatsanwalt forderte gestern 12000 Euro Strafe wegen fahrlässigen Fahrens ohne Führerschein, doch der Richter sah die Sache anders: Freispruch! Die Unfähigkeit seines Anwalts rettet den Boxer: "Wenn ein Mandant so beraten wird, was soll er denn da machen?", so der Richter.

Öner, der im August 2009 von Unbekannten niedergeschossen wurde, gab sich nach dem Freispruch treuherzig: "Ich wäre nie gefahren, wenn ich gewusst hätte, dass ich das offiziell nicht darf. Ich weiß doch auch, dass ich gerne schnell fahre und wie aufmerksam die Ordnungshüter auf meinen Bentley reagieren."

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Öner wegen Bedrohung, Beleidigung, Betrugs. Auch wegen Raserei mit dem Bentley stehen weitere Verfahren an. Der Richter: "Das ist wie beim Boxen. Es geht über mehrere Runden."


Kommentar

Aus rechtlichen Gründen können wir Ihren Kommentar leider nur in der Zeit von montags bis freitags von 8 Uhr bis 20 Uhr entgegennehmen. Wir bitten um Verständnis.
 

 


Seitenanfang



 
 
 


MEHR MOPO

 

 





© Copyright 1996-2010 MOPO Online GmbH