Freitag, 19.03.2010

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18.12.2009
ARCHIV: Jens Lehmann bei Kerner in Hamburg
 

Der Skandal-Keeper: "Es ist mir peinlich"

EIKE RADSZUHN

Ex-Nationalkeeper wirbt nach Ausrastern um Verständnis. Der Stuttgarter will Geldstrafe nun doch zahlen.

Hat Jens Lehmann einen Knall? Diese Frage stellte sich Fußball Deutschland nach der Pinkel-Affäre und dem Bancé-Fußtritt, der öffentlichen Schelte am VfB-Präsidium und seinem Vortrag über Kindeserziehung nach einem Disput mit einem Balljungen.

In der Sat.1-Show "Kerner" (im Studio Hamburg aufgezeichnet) sprach der Ex-Nationaltorwart am Donnerstag erstmalig nach den jüngsten Skandalen offen über sein Seelenleben: "Ich bin für meine Taten verantwortlich. Im Stadion kommen viele Emotionen hoch. Dass ich mich nicht immer korrekt verhalte, das ist leider so. Gerade in Drucksituationen habe ich diese Aussetzer."

Beispielsweise, als er nach seinem Platzverweis am vergangenen Wochenende wirr durch die Katakomben des Mainzer Stadions irrte und im Zuge eines Streitgesprächs einem Fan die Brille klaute. "Ich bin für solche Situationen nicht geschult. Da kommt ein Fan, dann wird einem eine Kamera ins Gesicht gehalten und ich denke nur: Erde, tu dich auf. Das ist mir peinlich, es ist mir unangenehm - auch für meine Eltern und meine Familie, die unfreiwillig mit reingezogen werden."

Eine echte Entschuldigung allerdings konnte sich der 40-Jährige nicht abringen. Auf "Riechweite" sei der Fan an ihn herangerückt, und er habe "sicher nicht das Recht", ihn auf diese Weise zu konfrontieren. "Anderseits war es auch nicht richtig, ihm die Brille wegzunehmen." Warum aber gehen mit dem erfahrenen Profi immer wieder die Pferde durch? Die Antwort darauf vermutet Lehmann in seiner Erziehung als Fußballer: "Man hat mir immer gesagt: Wehr dich! Und: Wir brauchen Erfolg!" Eine bestimmte Grenze will der Torwart dabei jedoch niemals überschritten haben: "Ich habe keine richtig schlimmen Dinge getan, niemanden verletzt, niemanden geschlagen."

Trotzdem gab Lehmann zu, sich nach den jüngsten Vorfällen nun auf sein Karriereende im Sommer zu freuen. Seinen Rausschmiss beim VfB allerdings würde er nicht provozieren: Die Geldstrafe von angeblich 40.000 Euro (Lehmann: "Die Summe stimmt nicht ganz"), die ihm der Klub aufbrummte, will er nun doch zahlen.

Bleibt die Frage, was der Torwart beim Champions-League-Spiel gegen Unirea Urziceni wirklich tat, als er hinter der Werbebande kauerte? "Ich finde es ganz sympathisch, dass es Dinge gibt, die von den Fernsehkameras nicht eingefangen werden", so Lehmann schmunzelnd. "Danach konnte ich mich aber definitiv leichter bewegen."

Zur Fotostrecke: Hier fliegt Lehmann vom Platz

Zur Fotostrecke: Hier nimmt Jens Lehmann einem Fan die Brille weg


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