STEFAN KRAUSE
St. Pauli hat Alemannia Aachen mit 1:0 bezwungen und ist damit bis auf einen Punkt an Spitzenreiter Kaiserlautern herangerückt. Trainer Stanislawski war trotzdem unzufrieden.
Operation Gipfelsturm knapp gescheitert, aber den Alemannia-Gletscher
bezwungen: Der FC St. Pauli setzt den Aufstieg in Richtung 1. Liga fort, bezwang vor 19. 630 fröstelnden Fans bei Schweinekälte Aachen glücklich mit 1:0 (1:0) und rückte bis auf einen Zähler an den schwächelnden Klassenprimus Kaiserslautern (0:0 gegen Ahlen) heran. Und trotzdem hatte es Holger Stanislawski die Petersilie verhagelt.
"Das war konfus, wir haben 45 Minuten lang nichts Konstruktives hin bekommen", meckerte der Coach der Braun-Weißen. In der Tat wirkten die Seinen bei minus 20 Grad (!) nach dem Seitenwechsel wie festgefroren. "Das war die schlechteste Halbzeit, die wir bisher gespielt haben", schimpfte Stani.
Der war allerdings eine Hälfte vorausgegangen, in der die Hausherren mitunter formidabel zu Werke gegangen waren. Trotz indiskutabler Bodenverhältnisse (siehe Text unten) kreierte St. Pauli Fußball, kombinierte zeitweise eindrucksvoll und ging völlig verdient in Führung. Einen Zuckerpass von Florian Bruns katapultierte Max Kruse mit Wucht ins kurze Eck (31.). "Großes Lob an Flo", meinte der Schütze, "ich habe die ganze Zeit gerufen, dass ich frei stehe."
Den Bruch mit Wiederanpfiff konnte sich Kapitän Fabio Morena "nicht erklären", während Stani mutmaßte: “Wir haben zum ersten Mal überhaupt in der Pause Tee ausgeschenkt. Vielleicht hat der zu lange gezogen." Was folgte, bezeichnete Manager Helmut Schulte jedenfalls zu Recht als "Abwehrschlacht". Aachen zog ein regelrechtes Powerplay auf, nagelte die Hamburger am eigenen Strafraum fest. "Wir haben kein Fußball mehr gespielt", fand Rouwen Hennings, Matthias Lehmann hatte "zu viel KleinKlein" ausgemacht, Stanislawski den Fakt, dass seine Elf "viel zu tief gestanden" habe.
Auch die Fans registrierten die Entwicklung, skandierten "Aufwachen, aufwachen" sehr zum Unmut des Trainers. "Das hat sich ja so eingebürgert anstatt uns anzufeuern", kritisierte Stanislawski und fügte an: "Es nervt nicht nur mich, sondern auch die Spieler." Die schaukelten den knappen Vorsprung trotzdem mit Glück und Geschick über die Runden.
"Man muss aber auch sehen, dass wir keine große Chance für Aachen zugelassen haben", merkte Fabio Morena richtigerweise an. Der Kapitän, nach Gelbsperre zurück im Team, hatte für Keeper Mathias Hain zusammen mit Ralph Gunesch "ein herausragendes Spiel" gemacht. Stanislawski hingegen forderte von seiner Innenverteidigung "mehr Körpersprache, wenn es nicht so läuft. Das sind ja keine grünen Jungs mehr".
Und als der Coach all seinen Dampf abgelassen hatte, fand er doch noch positive Worte: "Wir müssen uns für den Sieg nicht schämen." Für 39 Punkte nach 19 Partien und Platz 2 übrigens auch nicht.
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