Mittwoch, 17.03.2010

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04.02.2010
ARCHIV: INTERVIEW CORNY LITTMANN
 

"Kein schwuler Spieler sollte sich alleine outen"

FLORIAN MERKEL

Der St. Pauli-Präsident und Theater-Chef über Toleranz im Fußball

Corny Littmann ist eine Ausnahme im deutschen Profi-Fußball: Der Kiez-Impressario ist Präsident des FC St. Pauli. Und er ist schwul. Mit der MOPO sprach der 57-Jährige über Toleranz und Diskriminierung in deutschen Stadien sowie das mögliche Outing eines Bundesliga-Spielers.

MOPO: DFB-Präsident Theo Zwanziger hat bei der Trauerfeier für Robert Enke dafür appelliert, "das Kartell der Tabuisierer und Schweiger zu durchbrechen". Hat das etwas bewegt in den Stadien?

Corny Littmann: Robert Enkes Freitod hat viele Menschen tief bewegt und nachdenklich gemacht. An nachhaltige Veränderungen im Verhalten zu appellieren ist das eine, erkennen kann ich sie erst ansatzweise.

MOPO: "Dieser schwule Schiri lächelt mich auch noch an", keifte Bielefelds Co-Trainer Frank Eulberg im vergangenen Herbst. Ist das normale Härte auf dem Platz?

Littmann: Keine Frage - so ein Ausspruch muss bestraft werden!

MOPO: Der VfB Stuttgart ist einer der ersten deutschen Fußballvereine mit einem schwul-lesbischen Fanklub, den "Stuttgarter Junxx" ...

Littmann : In aller Bescheidenheit, aber der FC St. Pauli hat schon jahrelang einen sehr aktiven schwul-lesbischen Fanklub.

MOPO: Der walisische Rugby-Star Gareth Thomas hat sich im Dezember als schwul geoutet, Mitspieler und Fans reagierten nicht negativ. Ist ein solcher Schritt auch bald in der Bundesliga zu erwarten?

Littmann : Nein. Ich lasse mich aber gerne überraschen.

MOPO: Sportsoziologe Gunter Pilz hat homosexuellen Fußball-Profis kürzlich vom Outing abgeraten. Was würden Sie einem Spieler raten, der mit diesem Gedanken spielt?

Littmann: Dass er sich nicht alleine outet. Wenn schon, dann mehrere gleichzeitig.


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