FLORIAN MERKEL
Der St. Pauli-Präsident und Theater-Chef über Toleranz im Fußball
Corny Littmann ist eine Ausnahme im deutschen Profi-Fußball: Der Kiez-Impressario ist Präsident des FC St. Pauli. Und er ist schwul. Mit der MOPO sprach der 57-Jährige über Toleranz und Diskriminierung in deutschen Stadien sowie das mögliche Outing eines Bundesliga-Spielers.
MOPO: DFB-Präsident Theo Zwanziger hat bei der Trauerfeier für Robert Enke dafür appelliert, "das Kartell der Tabuisierer und Schweiger zu durchbrechen". Hat das etwas bewegt in den Stadien?
Corny Littmann: Robert Enkes Freitod hat viele Menschen tief bewegt und nachdenklich gemacht. An nachhaltige Veränderungen im Verhalten zu appellieren ist das eine, erkennen kann ich sie erst ansatzweise.
MOPO: "Dieser schwule Schiri lächelt mich auch noch an", keifte Bielefelds Co-Trainer Frank Eulberg im vergangenen Herbst. Ist das normale Härte auf dem Platz?
Littmann: Keine Frage - so ein Ausspruch muss bestraft werden!
MOPO: Der VfB Stuttgart ist einer der ersten deutschen Fußballvereine mit einem schwul-lesbischen Fanklub, den "Stuttgarter Junxx" ...
Littmann : In aller Bescheidenheit, aber der FC St. Pauli hat schon jahrelang einen sehr aktiven schwul-lesbischen Fanklub.
MOPO: Der walisische Rugby-Star Gareth Thomas hat sich im Dezember als schwul geoutet, Mitspieler und Fans reagierten nicht negativ. Ist ein solcher Schritt auch bald in der Bundesliga zu erwarten?
Littmann : Nein. Ich lasse mich aber gerne überraschen.
MOPO: Sportsoziologe Gunter Pilz hat homosexuellen Fußball-Profis kürzlich vom Outing abgeraten. Was würden Sie einem Spieler raten, der mit diesem Gedanken spielt?
Littmann: Dass er sich nicht alleine outet. Wenn schon, dann mehrere gleichzeitig.
Artikel drucken
Artikel versenden
Leserbrief schreiben
Meinung sagen und diskutieren
Zurück zur Übersicht
Zu Social-Bookmarking-Diensten hinzufügen:
Hält die Liebe auch mal Langeweile aus? mehr
Alle Kinder sollten in die Vorschule gehen mehr
Der Fortschritt hält Einzug mehr
Die Doktorandin und die Wohnung mehr
Ärger im Restaurant? So wehren Sie sich! mehr
Nachhilfeunterricht ist oft ein Statussymbol mehr