SANDRA SCHÄFER
Selbst Unterstützer schicken ihre Kinder lieber aufs Gymnasium.
Durch die zähen Verhandlungen um einen Kompromiss im Schulstreit geraten die Primarschulen immer mehr unter die Räder. Offenbar sind viele Eltern, die der Reform eigentlich sehr aufgeschlossen gegenüberstehen, völlig verunsichert. Das zeigen die schlechten Anmeldezahlen für die sogenannten Starter-Primarschulen. Diese 24 Schulen beginnen schon in diesem Jahr mit den 5. Klassen. Am vergangenen Freitag war letzter Tag für die Anmeldung. Ein Ergebnis: Die Schule Rellinger Straße - eine Speerspitze der Reform - hat nur ausreichend Schüler für eine einzige 5. Klasse. Auch an anderen Schulen sieht die Lage nicht rosig aus. Die Behörde dementierte gestern Gerüchte, die Anmeldefrist solle nun um zwei Wochen verlängert werden.
"Viele Eltern finden das längere gemeinsame Lernen gut und unterstützen uns ideell, aber sie melden ihre Kinder trotzdem jetzt lieber an den 5. Klassen der Gymnasien an", sagt Petra Stumpf, Leiterin der Schule Rellinger Straße. Dass die Primarschulen plötzlich über mehrere Jahre verteilt starten sollen, das hat die Eltern sehr verunsichert. Stumpf: "Wir wissen aber, dass es nicht an unserem Schulkonzept liegt." Denn für die ersten Klassen der "Relli" gab es Rekord-Anmeldezahlen.
Offenbar haben besonders diejenigen Starterschulen Probleme, in denen viele Kinder mit einer Empfehlung fürs Gymnasium sitzen. So haben die Eltern etwa Angst, dass ihre Kinder kein so breites Fremdsprachen-Angebot bekommen wie an den Gymnasien. Und sie wissen nicht, ob ihre Kinder nach der 6. Klasse tatsächlich an ein Gymnasium ihrer Wahl wechseln können. Gute Anmeldezahlen hat etwa die Primarschule Vizelinstraße in Lokstedt. Schulleiterin Dagmar Lucks: "Aber wir haben auch nicht so viele Kinder mit einer Gymnasial-Empfehlung."
Das erklärt zum Teil, warum die sechs Primarschulen im Raum Harburg kaum Probleme hatten. "Wir haben 47 Anmeldungen und richten zwei fünfte Klassen ein", freut sich Harald Krüger, Leiter der Schule Bunatwiete/Maretstraße aus dem sozial stark belasteten Phönixviertel in Harburg. Offizielle Anmeldezahlen für alle 24 Primarschulen wollte die Bildungsbehörde gestern noch nicht bekannt geben.
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