Freitag, 12.03.2010

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10.02.2010
ARCHIV: POP LIFE
 

Kunst! Kitsch! Kommerz!

NADINE RINKE

Spektakuläre Ausstellung in der Kunsthalle: Die Galerie der Gegenwart zeigt Werke von Warhol, Hirst, Koons & Co.

Überlebensgroße Manga-Puppen mit riesigen Milchbrüsten, ein totes Kalb mit goldenen Hufen und ein Kunst-Star beim, na ja, Liebesakt mit einer Porno-Queen: Mit "Pop Life" zeigt die Kunsthalle eine Ausstellung, die so spektakulär und schrill ist wie das Leben der Künstler, die diese Werke geschaffen haben.

Neben Arbeiten der Pop-Art-Ikone Andy Warhol (1928-1987) und des Strichmännchen-Meisters Keith Haring (1958-1990) sind ab Freitag auch Stücke ihrer "Erben" in der Galerie der Gegenwart zu sehen, darunter Bilder, Skulpturen und Fotografien von Jeff Koons, Damien Hirst, Takeshi Murakami, Tracy Emin und anderen.

Sie alle sind Fürsten der Selbstinszenierung, findige Manager ihrer eigenen Marke. Frei nach Warhols Credo: "Gute Geschäfte sind die beste Kunst." Dem Vordenker der Konsumkunst ging es darum, möglichst oft gesehen zu werden - in den Medien, auf Partys, in den Armen von prominenten Männern und Frauen. "Das ist wie bei Coca-Cola", erklärt Kurator Daniel Koep (46). "Warhol, Warhol, Warhol. Man muss ihn überall sehen, denn so wird er zum Pop-Artist, den jeder kennt."

Sechs Monate lang haben Koep und seine Kollegin Annabelle Görgen-Lammers (40) eng mit der "Tate Modern" in London zusammengearbeitet, wo die Ausstellung zuvor für Wirbel sorgte. Unter anderem wegen detailgetreuer Rekonstruktionen wie der von Keith Harings New Yorker "Pop Shop" (der Künstler eröffnete 1986 einen Laden, in dem er Merchandising-Produkte verkaufte, um den Bekanntheitsgrad seiner Strichmännchen immer weiter zu steigern). Aber auch wegen sehr spezieller Fotos wie denen von Jeff Koons (der Kitsch-König reichte 2003 den Gummienten-Kran-Entwurf für die Neugestaltung des Spielbudenplatzes ein): Seine Serie "Made in Heaven" zeigt Koons beim Sex mit seiner Kurzzeit-Ehefrau, dem italienischen Pornostar Cicciolina. Schrill, spektakulär, speziell - wie die Ausstellung selbst.

Info:
Kunsthalle/Galerie der Gegenwart 12.2. (Vernissage für Gäste 11.2.) bis 9.5., Di-So 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr, 10 Euro

Daten & Fakten

Das Kalb von Damien Hirst "schwebt" in etwa 1000 Litern Formaldehydlösung in einer Art Aquarium aus Glas und vergoldetem Stahl. Die Hufe des Tieres sind mit 18-Karat-Gold überzogen +++ Das T-Shirt, das Kurator Koep auf dem Foto (l.) trägt, wird in Harings "Pop Shop" im Museum für 29 Euro verkauft +++ Der Raum, in dem Jeff Koons' "Made in Heaven"-Serie gezeigt wird, ist freigegeben ab 18 Jahren +++ Takeshi Murakamis "Simple Things", Alltagsgegenstände wie Pepsi-Dosen und Ketchup-Flaschen aus Fiberglas, sind mit Rubinen, Diamanten, Saphiren und Smaragden besetzt.

Zur Fotostrecke: So spektakulär ist die "Pop Life"


 

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