FREDERIK AHRENS
Knapp 20000 Anrufe beim Service-Center der Stadtreinigung Hamburg / Aushilfskräfte rücken aus / Nicht überall kann schon geholfen werden
Herzlich willkommen bei der Stadtreinigung Hamburg. Unsere Mitarbeiter sind gleich für Sie bereit." Tausende Hamburger hörten gestern diese Bandansage. Unter der (040) 25761313 hat die Stadtreinigung eine Hotline eingerichtet, bei der Anwohner nicht gestreute Flächen melden können. Um sieben Uhr morgens wurde sie freigeschaltet. "Nach 15 Minuten hatten wir 1500 Anrufe", sagt Dieter Schulze (50), Teamleiter des Service-Centers. Obwohl seine Mannschaft von 25 auf 50 Mitarbeiter aufgestockt worden war, war dieser gigantische Ansturm nicht zu bewältigen.
Am Abend waren es knapp 20000 Anrufe. "So viel habe ich noch nie telefoniert", sagt Laura Brauer und lacht. Die 20-Jährige macht gerade ihr freiwilliges ökologisches Jahr, sprang ganz kurzfristig ein und hatte trotz der hohen Belastung ein offenes Ohr für die Sorgen der Bürger. "Gerade hatte ich eine ältere Dame dran, die seit 14 Tagen ihr Haus nicht mehr verlassen konnte, weil es zu glatt draußen ist. Da sind auch tröstende Worte mal gefragt", sagt Brauer. In aller Eile aber. Es muss ja weitergehen.
Mittags ruft Christian Dietz aus St. Pauli an. Drei Mal hat er sich auf den spiegelglatten Wegen rund um seine Haustür auf die Nase gelegt. Dabei ging sein Laptop zu Bruch. Die letzten möglichen Auswege aus der Krise lauten: Splitt von den Recyclinghöfen - oder der Anruf bei der Eis-Hotline.
Brauer füllt schon während des Telefonats ein Online-Formular aus, dieses erreicht die regionalen Koordinierungsstellen. Und wird von dort an Männer wie Jens Fries (44) weitergegeben. Der arbeitet eigentlich im Gleis- und Kabelbau. Nun aber hat sich der Kellinghusener Hamburgs Kampf gegen das Eis angeschlossen. 13 Zettel hält er in der Hand, auf jedem ist eine angezeigte, glatte Stelle vermerkt. Der nächste führt Fries mit drei seiner Kollegen zu einer Apotheke an der Drosselstraße (Barmbek). Ruck, zuck ist das Streugut verteilt. Fries & Co. wollen schon wieder in den Wagen springen. Hamid Shishehgari (45) bremst das Quartett aber aus. "Schauen Sie", sagt der Apotheker, "auch vor dem Ärztezentrum ist es doch so glatt. Da rutschen die alten Menschen aus." Fries aber hat seine Anweisungen. "Ich bin um zehn Uhr abends zu Hause und muss morgen früh um zwei Uhr wieder raus", entschuldigt er. "Wir können nicht alles machen." Schließlich aber fasst er sich doch ein Herz - und streut.
Shishehgari ist glücklich - Dietz in St. Pauli nicht. Sein Anruf nützte (noch) nichts. Am Abend ist es bei ihm noch immer glatt. "Es kann zwei Tage dauern, bis wir Aufträge erledigt haben", sagt Schulze im Service-Center - und wieder klingelt das Telefon.
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