STEPHANIE LAMPRECHT
Vor Gericht: Ein Unternehmer wollte mit Erotik-Geschichten seine Firma retten.
Ein Buch mit dem schönen Titel "Ein heißer Sommer - Erotische Geschichten aus dem DDR-Alltag" wollte der Thüringer Unternehmer Roland K. (60) bundesweit in Edeka-Filialen anbieten. Das Werk, von ihm persönlich verfasst und verlegt, sollte seine insolvente Spielzeug-Firma retten. Aber Edeka ignorierte das Angebot - da drohte der verzweifelte Firmenchef mit einem Babynahrungs-Skandal.
Roland K., weißhaarig, Golduhr am Arm, war einmal ein richtig erfolgreicher Unternehmer, baute nach der Wende in Eisenach eine Firma für Modellautos und -eisenbahnen auf. Sogar das Fernsehen berichtete über seinen Beitrag zum "Aufschwung Ost". Doch die Geschäfte liefen immer schlechter, er drohte Firma und Privatvermögen zu verlieren. "Ich habe blauäugig gehofft, dass der Handel uns helfen würde", sagte der Angeklagte gestern, "ich war in einer extremen Notlage und das Buch sollte zusätzliche Einnahmen bringen. 30000 verkaufte Exemplare hätten gereicht, um uns zu sanieren."
Als die Edeka-Zentrale in Hamburg nicht antwortete, faxte Roland K. im April 2009 Drohungen: "Meine Tochter hat in einem Laden ihres Unternehmens Babynahrung gekauft, die seit über sechs Monaten abgelaufen war. Wenn Sie mir 24000 Exemplare meines Buches abnehmen, werde ich von einer Einschaltung der Presse absehen."
Der Hobby-Autor drohte: "Wenn ich untergehe, ziehe ich Edeka mit in den Strudel!" Urteil des Amtsgerichts St. Georg: 20 Tagessätze á 60 Euro wegen versuchter Nötigung. Roland K. steht unter Bewährung wegen Kindesmissbrauchs.
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