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09.03.2010
ARCHIV: Angst vor Abschiebung
 

17-Jähriger erhängt sich in der Knast-Klinik

MATHIS NEUBURGER

Heute sollte der 17-jährige David M. abgeschoben werden. Doch der Georgier war so verzweifelt, dass er sich am Sonntag mit seinem Bettlaken erhängte. Zuvor war er bereits in einen Hungerstreik getreten.

Am 7. Februar war David M. in Hamburg von der Polizei überprüft worden. Wegen Verdachts des illegalen Aufenthalts wurde er einen Tag später vor den Richter gestellt. Der befürchtete, dass David M. untertaucht, steckte ihn umgehend in den Jugendknast: Abschiebehaft.

Doch David M. wehrte sich: Er aß nichts mehr. Am 25. Februar kam er ins Zentralkrankenhaus im Untersuchungsgefängnis an der Holstenglacis (Neustadt).

Fünf Ärzte und 35 Krankenschwestern und Pfleger arbeiten hier. Laut der Justizbehörde begann David M. am Sonnabend wieder zu essen. Einen Tag später zerriss er sein Bettlaken und hängte sich zwischen 16 Uhr und 16.15 Uhr auf.

Die Sprecherin von Justizsenator Till Steffen (GAL) spricht von einem „tragischen“ Vorfall. „David M. wurde intensiv psychologisch und medizinisch betreut“, so Pia Kohorst. Weder durch Äußerungen noch sein Verhalten sei erkennbar gewesen, dass er sich umbringen wollte. Zwar wurde seine Zelle wegen des kurz zuvor beendeten Hungerstreiks videoüberwacht. Allerdings werden die Bilder nicht ständig kontrolliert. Einen konkreten Anhaltspunkt für Fehlverhalten gebe es derzeit nicht, sagte Kohorst. Dies werde genau geprüft.

„Anstatt den Hilfeschrei zu verstehen, haben die Verantwortlichen anscheinend nicht gemerkt, wie verzweifelt David M. war“, sagt Mehmet Yildiz (Linke). Zudem sei es „unmenschlich und verantwortungslos, minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in Abschiebehaft zu nehmen“. Dies ist in Hamburg Standard, wenn Richter davon ausgehen, dass Flüchtlinge untertauchen. Zudem gelten 16-jährige Ausländer als handlungsfähig und haben deshalb keinen volljährigen Vormund, der sich um sie kümmert.

David M. sollte heute nach Polen gebracht werden. Dort und in der Schweiz hatte er zuvor versucht, Asyl zu beantragen.



Zitat:
„David M. wurde intensiv psychologisch betreut“ Pia Kohorst, Justizbehörde



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