SIMON BRAASCH
Desaströser Auftritt: Der HSV hat mit 1:5 in Hoffenheim verloren. Trainer Bruno Labbadia droht nun das Aus.
Es war die pure Fassungslosigkeit, die Bruno Labbadia in die Kabine begleitete. Einen kurzen, zornigen Blick warf er unterwegs noch auf das Spielfeld, zu seinen Profis, die im Inneren schon längst nicht mehr seine Profis sind. Und nach dem 1:5 (0:3) in Hoffenheim könnte es das für den Trainer gewesen sein. Alles ist jetzt möglich. Sogar Labbadias sofortiger Rausschmiss. Denn die Botschaft von Hoffenheim war klar: Es geht nichts mehr zwischen dem Trainer und seiner charakterlosen Truppe. Zum Dank antworteten die mitgereisten Fans mit einer Bus-Blockade.
Was für ein Desaster! Der HSV hatte die Chance, den Abstand zu Rang sechs zu verkürzen – und zumindest theoretisch die Chance auf das Erreichen der Europa League zu wahren. Was dabei heraus kam, war das Desaströseste, was eine HSV-Mannschaft in den vergangenen Jahren abgeliefert hat.
"Das war eine desolate Leistung, ich bin sehr enttäuscht", erklärte Labbadia später. "Auf so eine Art und Weise haben wir uns noch nie präsentiert." Waren es schon seine Abschiedsworte?
Bereits in der Nacht sitzen Trainer und sein Vorstand zusammen, um über die unmittelbare Zukunft zu beraten. Am Montag sollen die Gespräche weiter gehen. Sollte Labbadia keinen überzeugenden Eindruck machen, dürfte er noch im Verlaufe des Tages seinen Job los sein.
Kommt es so, haben seine Profis kräftig geholfen. Mit einer 90-minütigen Horror-Show. Ganze 80 Sekunden waren in Hoffenheim gespielt, als Mathijsen die Kugel vor dem Tor an Ibisevic verlor, der zum 0:1 traf. Genau so dilettantisch ging es weiter. Boateng ließ Ibisevic ungehindert einköpfen (11.), dann traf Obasi freistehend zum 0:3 (31.). Gegenwehr des HSV? Fehlanzeige.
"Hoffmann raus", schallte es nach dem Wechsel aus der Kurve. Wohl auch, weil die Fans der Meinung sind, dass der Klubboss es längst versäumt hat, die Konsequenzen aus der seit Monaten anhaltenden Talfahrt zu ziehen. Die setzte sich in Kraichgau auch im zweiten Abschnitt fort. Nach Tesches schöner 25-Meter-Bogenlampe zum 1:3 (65.), machten Obasi (72.) und Salihovic (77.) das Hamburger Debakel perfekt.
So bleibt der Europa-League-Auftritt beim FC Fulham die letzte Chance auf das internationale Geschäft. Es klang wie blanker Hohn, was Hoffenheims Stadionsprecher den HSV-Profis nach dem Abpfiff zu rief: "Haut die Engländer weg und holt euch das Finale nach Hamburg!"
Nur: Wie soll das gehen? Und mit welchem Trainer?
Lesernoten: Bewerten Sie hier die Spieler des HSV
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