STEPHANIE LAMPRECHT
Nur durch eine Notoperation konnten die Ärzte Roman R. retten. Das Opfer (27) identifiziert den Angreifer: "Der im karierten Hemd war's." Angeklagte leugnen vor Gericht.
Zwei Messerstiche ins Herz, damit endete der Kiezbummel des jungen Kaufmanns Roman R. (27) am 30. Mai 2009. Am Donnerstag begann der Prozess gegen vier junge Männer vor dem Landgericht. Im Gerichtssaal identifizierte das Opfer den jüngsten der Angeklagten als den Messerstecher: "Der im karierten Hemd war es."
Der 18-Jährige im karierten Hemd heißt Mesut P. Der Friseur-Azubi lässt seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen: Eine Rangelei vor dem Show-Lokal "Pulverfass" räumt er ein. Von einem Messer jedoch will er nichts gesehen haben. Seine drei Mitangeklagten schließen sich an. Fragen zum Tatgeschehen werden sie nicht beantworten, lassen sie durch ihre Anwälte ausrichten.
In der Lichtbildkartei der Polizei hatte Roman R. den Messerstecher nicht identifizieren können. Erst beim Prozess vorm Amtsgericht im April 2010 war er sich sicher: Mesut R. hat ihm das Messer ins Herz gestochen: "Als er auf dem Gerichtsflur an mir vorbeiging, habe ich ihn erkannt", sagt er.
Zuvor war unklar gewesen, wer der vier Männer die Stiche ausgeführt hatte. Durch die spontane Identifizierung konnte die Staatsanwaltschaft Klage wegen versuchten Totschlags erheben, der Fall wurde ans Landgericht verwiesen.
"Wie sicher sind Sie sich?", fragte der Richter am Donenrstag. Roman R. bekräftigte: "Er war das. Er war es, der mir gegenüberstand." Die lebensgefährlichen Verletzungen hatte er zunächst nicht bemerkt: "Jeder Treffer hat ein Brennen hervorgerufen, aber dabei habe ich mir noch nichts gedacht", sagt der Kaufmann. Erst als die Täter von ihm und seinen Begleitern abließen und flüchteten, habe er mitbekommen, was passiert sei. Nur durch eine Notoperation konnten die Ärzte Roman R. retten.
Ein Urteil gegen die vier gebürtigen Hamburger mit Migrationshintergrund wird nicht vor September erwartet.
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