www.mopo.de - Artikel vom 04.11.1998

Hamburg

Alle Tricks halfen nichts: Sühne für Mafia-Mord
VON T. HIRSCHBIEGEL



Sie gaben mehrere zehntausend Mark für Star-Anwälte aus, beschimpften den Kronzeugen als "Schweinehund", versuchten, den Auftragsmord als "Unfall" darzustellen: Es hat ihnen nichts genützt. Jetzt bestätigte der Bundesgerichtshof die Urteile gegen die beiden Auftraggeber des spektakulärsten Mafia-Mordes der 90er Jahre in Hamburg.

Fünf Revolverschüsse beendeten am 4. August 1993 in einem Hinterhof an der Talstraße auf St. Pauli das Leben des Einbrechers und Zockers Bahri Berisha (34) (MOPO berichtete mehrfach). Sein "Verbrechen": Er hatte Fassli Greve (32) beleidigt. Greve ist die rechte Hand eines Mannes, den viele für den "Paten von Hamburg" halten.

Im Streit um 60 000 Mark Schulden soll er den angeblich drei Millionen Mark schweren Greve auch mit dem Messer angegriffen haben. Greves Freund Salvatore Lavore (41), ein Zocker mit Mafia-Kontakten, bot sich an: "Ich regel' das!" Er ließ direkt aus Palermo zwei Mafia-Killer einfliegen. Ihr Lohn: rund 50 000 Mark plus Spesen.

Sie erledigten profimäßig ihren Auftrag und flüchteten in einem grünen 3er BMW von Lavore. Ein von Schlaflosigkeit geplagter Anwohner blickte aus dem Fenster, notierte sich die Autonummer. Das MEK schlug zu, als Lavore in Schnelsen vom BMW in einen Geländewagen umstieg. Auch die beiden Killer wurden gegriffen.

Auf die "Omerta" (Mafia-Gesetz des Schweigens) vertrauend, gab sich Lavore siegessicher. Doch einer der Killer, Daniele "Der Boxer" Schabica (37), packte aus: So landete auch Auftraggeber Fassli Greve vor Gericht. Er bekam 1997 in Hamburg zwölf Jahre und vier Monate aufgebrummt. Lavore erhielt wie die beiden Killer lebenslänglich.

Die Anwälte gingen in Revision. Die wurde jetzt vom Bundesgerichtshof als "offensichtlich unbegründet" verworfen. Die Haft-Sicherheitsvorkehrungen bei Lavore und Greve wurden erneut verschärft: Die Behörden fürchten, daß das Duo gewaltsam befreit wird.




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